Die durch die Corona-Pandemie verloren gegangene, sichere Lebensgestaltung bereitet Familien zunehmend Sorgen und Ängste. Uto R. Bonde, Ehrenmitglied des Deutschen Familienverbands (DFV) und Sprecher des DFV-Landesverbands Baden-Württemberg, kritisiert das Pandemie-Management und fordert mehr Beachtung der Nöte von Eltern und Kindern.

Seit der ersten Welle der Pandemie sind Familien massiven Beeinträchtigungen in ihrem alltäglichen Leben ausgesetzt. Die Schließung von Kitas und Schulen hat Kinder und Eltern unvorbereitet getroffen sowie außerordentliche Unzulänglichkeiten in der digitalen Bildung offengelegt, die auf sie zurückwirken. Zusätzlich haben Homeoffice und eine improvisierte Notbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in vielen Haushalten mit Kindern erschwert.

Ein Jahr später ist die Situation kaum besser. Der letzte Bund-Länder-Beschluss vom 04. März 2021 hat viele offene Fragen und Ungewissheit bei Familien hinterlassen. Zwar passen die neuen Corona-Regelungen auf ein DIN-A4-Format, aber nachvollziehbar und überschaubar sind sie nicht. Bei den vielen, örtlich-variierenden Öffnungsschritten verheddern sich selbst die politischen Entscheidungsträger, die am darauffolgenden Tag dazu befragt werden.

Schulöffnungen bereiten Eltern neue Sorgen

In Baden-Württemberg sollen die Schulen am 15. März ein Stück weiter geöffnet und der Präsenzunterricht für die fünften und sechsten Klassen der weiterführenden Schulen bis zu den Osterferien wieder ermöglicht werden. Doch was ist mit verlässlichen Regelungen für Impfungen oder zumindest vorsorglichen Tests? Familien fragen sich, ob der Besuch des Unterrichts unter diesen Umständen überhaupt verantwortbar ist.

Statt einer Antwort kabbeln die CDU-Spitzenkandidatin und aktuelle Kultusministerin, Susanne Eisenmann, und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der vergangenen Woche öffentlich darüber, welches Ministerium für das Testen an Schulen zuständig ist.

Auch die ständig neuen, oft sehr unterschiedlichen Handlungsempfehlungen von Politikern und Expertinnen schaffen keine Abhilfe. In Zeiten der Informationsüberflutung und Fake News müssen sich Familien darüber den Kopf zerbrechen, ob es sich um Polit-Fiktion oder reale Möglichkeiten handelt, die in absehbarer Zeit umgesetzt werden könnten.

So kommen Familien ebenso wie der DFV – ohne einem der Handelnden ehrliches Bemühen absprechen zu wollen – zu dem Schluss, dass die viel gepriesene Digitalisierung und Pandemie-Organisation an realem Einfühlungsvermögen für die Nöte von Kindern und Eltern missen lassen. Der Verlust von sicherer Lebensgestaltung verbreitet Sorgen, Lebensängste, Verdrossenheit und Misstrauen.

Jetzt für Kinder und ihre Familie einstehen

Es fühlt sich nicht so an, als gehöre das Land Baden-Württemberg tatsächlich „zur Spitze bei der Verwaltungsdigitalisierung“ in Deutschland. Nicht, wenn erst jetzt eine Taskforce eingerichtet wird, um die Beschaffung und Verteilung der Schnelltests – immerhin das derzeit schärfste Schwert im Kampf gegen SARS-CoV-2 – zu organisieren.

Wie kann es außerdem sein, dass die Forschung und Produktion von Impfmaterial in Deutschland mit dreistelligen Millionenbeträgen gefördert wurde und nun trotz Zusage der Produzenten nicht ausgeliefert und einsetzbar ist? Viele Familien berichten von unerträglich langen Telefon-Warteschleifen, um Impftermine für zu pflegende (nicht mobile) Familienangehörige zu erhalten. Auch bei Krankenkassen werden Familien mit bürokratischen Erfordernissen zum Teil zeitraubend vertröstet, statt auf humane und kompetent zeitnahe Entscheidungen als Problemlösung zu drängen.

Schließlich weist der neue Armuts- und Reichtumsbericht, den die Bundesregierung momentan vorbereitet, Gering- und Normalverdiener als die eigentlichen Opfer der Krise aus.

Vor diesem Hintergrund fordert der DFV Baden-Württemberg, dass die Sorge politischer Entscheidungsträger nicht erst nach der Corona-Pandemie den Kindern und ihren Familien gilt. Ihre Nöte müssen jetzt aktuell von allen politischen Gremien wahrgenommen werden!

Uto R. Bonde, DFV Baden-Württemberg

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