"Die verkaufte Mutter"

Die verkaufte MutterDie Rollen in unserer Gesellschaft werden immer wieder neu verhandelt. Männer kümmern sich im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends weit mehr um ihren  Nachwuchs und den Haushalt als vor dreißig Jahren, Frauen wollen Familie und berufliches Fortkommen stärker in Einklang bringen. Aus beiden Tendenzen entstehen Ansprüche, Erwartungen, Zwänge. Bleibt da noch Raum für eine wirklich freie Entscheidung?

Drei Autorinnen haben nun ein Buch vorgelegt, das sich mit dem aktuellen Frauen- und Mutterbild auseinandersetzt. „Die verkaufte Mutter. 21 Erfahrungsberichte zur Freiheit der modernen Frau“ heißt es und ist bei Quell erschienen. Sabine Mänken, Bettina Hellebrand und Gabriele Abel präsentieren 21 kurze Beiträge von Frauen, die sich bewusst für die Familienarbeit entschieden haben. Ihre Erlebnisse und die Konsequenzen daraus sprechen für sich. Kein Kommentar der Autorinnen wertet. Wohl aber finden sich kurze begleitende Texte zu Themen wie Bindung, frühkindliche Bildung oder Wahlfreiheit in der Kinderbetreuung.

Babyhand Schnuller lisaluciaZu Wort kommt dabei auch der frühere Hessische Landessozialrichter Jürgen Borchert, der sich ausführlich mit dem Generationenvertrag beschäftigt hat und seit Jahrzehnten mehr Familiengerechtigkeit einfordert. Zuletzt machte er sich für die Aktion „Wir jammern nicht, wir klagen!“ stark, die verfassungsgemäße, familiengerechte Beiträge in den Sozialversicherungen verlangt. Auch die frühere DFV-Redakteurin Frauke Obländer-Garlichs findet Erwähnung mit ihrem Artikel „Was Mama verdienen müsste!?“. Darin beschäftigt sie sich mit der Abwertung der Erziehungsarbeit von Eltern.

Bestechend an dem Buch ist der Mut der Autorinnen, persönlich Position zu beziehen, ohne andere Standpunkte herab zu werten. Frauenbilder gegeneinander auszuspielen ist nicht das Ziel. Vielmehr fordern die Autorinnen „den Dialog und die Solidarität der Gesellschaft, die ihr Potential und ihre Zukunft in dem gesunden Heranwachsen ihrer Kinder erkennt. Doch von den Kindern her zu denken ist nicht üblich. Der Zeitgeist unserer Politik spiegelt anderes. Das seltsame ‚Recht auf einen Krippenplatz‘ ist unseren Kleinsten kein Anliegen. Auch die Rechtsprechung in der Reform des Nacheheunterhaltes fokussiert sich einseitig auf die Erwerbsverpflichtung der Mutter und spricht nur am Rande vom ‚Kindeswohl‘ – immerhin ein Rechtsbegriff.“  

„Die verkaufte Mutter" ist im Quell Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro.

 

 

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