Im April ist der erste Mediationskurs unter der Leitung von Elisabeth Hosp beim DFV Sachsen-Anhalt gestartet. Die erfahrene Mediatorin aus Magdeburg hat den Ausbildungskurs von Olaf Friedersdorf übernommen – und setzt neue Akzente. Seit mehr als 20 Jahren bildet der DFV nun bereits Mediatorinnen und Mediatoren aus.

Frau Hosp, was können Sie zum Start des diesjährigen Ausbildungskurses sagen?

Wir haben eine bunt gemischte Gruppe mit Studentinnen und Studenten verschiedener Studienrichtungen, aber auch Berufstätige aus dem Personalmanagement, dem pädagogischen Bereich sowie eine Architektin. Männer sind im Kurs aber unterrepräsentiert. Das ist schade, denn sie bringen weitere Perspektiven mit ein.

Was ist der Vorteil von Mediation, wo wird sie angewendet?

Mediation kann überall da angewendet werden, wo Menschen miteinander in Kontakt treten und eben in einen Konflikt geraten. Beispiele sind Erbschaftsstreitigkeiten, Konflikte in einer Paarbeziehung oder zwischen Nachbarn. Auch in Unternehmen, Vereinen oder anderen Organisationen sowie im schulischen Bereich werden Mediatoren gebraucht.

Bei einer Mediation steht die Konfliktlösung im Vordergrund. Dabei werden alle Beteiligten gleichermaßen berücksichtigt. Ich gehe davon aus, dass Menschen Konflikte lösen wollen, denn sie belasten sie stark.

Mediation wird dann eingesetzt, wenn der Konflikt für die Beteiligten unlösbar scheint und sie allein nicht mehr weiterkommen. Mediation strebt eine einvernehmliche Lösung an. Mediatoren unterstützen das Gespräch, in dem sie zwischen den Parteien vermitteln.

Können Sie das näher erklären?

Ein einfaches Beispiel: Zwei Schwestern streiten sich um eine Orange. Der klassische Kompromiss wäre, die Orange in der Hälfte zu teilen. In der Mediation schauen wir jedoch nach einer Win-Win-Lösung sowie nach den jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen. Denn die eine Schwester möchte das Fruchtfleisch, um einen Saft zu machen. Die andere ist an der Schale interessiert, die sie für einen Kuchen braucht. Ein Konflikt ist unnötig, denn beiden Interessen kann man gerecht werden.

Mediation bringt unterschiedliche Interessen oder auch Missverständnisse zum Vorschein und befähigt die Streitenden im besten Falle, eine eigene Konfliktlösung zu erarbeiten. Anders als bei einem Gerichtsverfahren gibt es am Ende keine Gewinnerin bzw. Verliererin.

Das klingt ein wenig nach „schöner Welt“…

Mediation geht von einem positiven Menschenbild aus. Und ich gehe davon aus, dass Menschen in der Lage sind, ihre Konflikte zu besprechen und selber zu klären. Wenn Konflikte jedoch festgefahren und stark eskaliert sind, dann verändert sich die Logik der Streitenden. An irgendeinem Punkt geht es nur darum, nicht auch noch das eigene Gesicht zu verlieren und zu kämpfen, statt den Konflikt konstruktiv zu besprechen. Ursache dafür sind verletzte Gefühle, ungehörte Interessen und bedrohte Bedürfnisse.

Was macht eine Mediatorin oder ein Mediator nun genau?

Unter Anwendung bestimmter, erlernbarer Techniken vermitteln Mediatorinnen zwischen den Konfliktparteien. Dabei bleiben sie allparteilich und treffen selbst keine Entscheidungen, sondern führen die Parteien durch die Mediation.

Mediatoren müssen sich in der Ausbildung mit sich selbst und ihrem Konfliktverhalten auseinandersetzen. Sie müssen Verständnis dafür entwickeln, in welcher schwierigen Lage und unter welchem Stress Konfliktparteien den Weg zu ihnen finden.

Für wen eignet sich die Ausbildung?

Die Ausbildung richtet sich an alle, die neue Wege der Konfliktlösung verwirklichen wollen. Die Formulierung ist bewusst offen gehalten, da wir eine möglichst breite Gruppe an Interessierten ansprechen wollen. Die im Kurs erlernten Fähigkeiten sind sowohl beruflich als auch privat nützlich.

Der Kurs kann sehr gut berufs- oder studienbegleitend belegt werden. Durch die Zeitspanne von knapp einem Jahr verfestigt sich das Erlernte gut und nachhaltig. Der Kurs ist auch eine erste Möglichkeit, um ein Netzwerk aufzubauen.

Was ist neu bei diesem Ausbildungskurs?

Vieles bleibt. Zentral im Kurs sind die Vermittlung von Inhalten und die Selbsterfahrung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mir ist auch besonders die praktische Orientierung bei der Ausbildung wichtig. Eine Neuerung ist deshalb, dass Rollenspiele bei Bedarf und nach Absprache mit unbekannten Gästen stattfinden. Wenn die Teilnehmenden die Personen nicht kennen, kann die reale Situation besser simuliert werden. Die Konfliktbeschreibungen sind ausgedacht, das Konfliktverhalten und die Reaktionen der Spielenden sind jedoch authentisch.

Frau Hosp, vielen Dank für das Gespräch.

Elisabeth Hosp studierte Soziale Arbeit (Bachelor) und startete vor sieben Jahren mit der Ausbildung als Mediatorin beim DFV Sachsen-Anhalt. Mittlerweile ist sie als selbstständige Mediatorin tätig und hat Familien- und Paarmediationen sowie Gruppen- bzw. Teammediationen durchgeführt.

Informationen zum nächsten Ausbildungskurs für Mediation sind hier zu finden.

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