Seit gut zwei Monaten ist Karin Prien Bundesfamilienministerin. Mit ihrer langjährigen politischen Erfahrung und ihrer persönlichen Geschichte jüdischer Abstammung bringt sie viel Erfahrung und wertvolle Perspektiven in ihr Amt ein. Als erste verantwortet sie neben den klassischen Zuständigkeiten für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auch den Bereich Bildung.

Der Deutsche Familienverband (DFV) hat sie nach ihrem Einstieg in die Politik, ihrer Sicht auf die Bedeutung von Familie, dem neuen Zuschnitt ihres Ministeriums sowie ihrer Meinung zur familiengerechten Sozialversicherung gefragt.

DFV: Frau Ministerin Prien, Sie sind seit über 40 Jahren politisch aktiv. Bereits 1981 traten Sie in die CDU ein. Wie kam es dazu? Warum haben Sie sich für die CDU entschieden?

Bundesfamilienministerin Karin Prien (Foto: Butzmann / BMBFSFJ)

Karin Prien: Ich bin in einem politisch interessierten Elternhaus aufgewachsen, in dem viel und leidenschaftlich diskutiert wurde – über Werte, über Verantwortung, über unser Land. 1981 war ich noch Schülerin, aber ich hatte das Bedürfnis, mich einzubringen und mitzugestalten – das natürlich auch im Lichte meiner Familiengeschichte.

Die Entscheidung für die CDU war für mich eine Entscheidung für eine werteorientierte Politik, bei der der einzelne Mensch im Mittelpunkt steht und die klare Absage an Totalitarismus und Ideologie. Freiheit, Verantwortung und das christliche Menschenbild waren für mich Leitlinien, mit denen ich mich schon als junge Frau identifizieren konnte – und die es mir auch heute noch ermöglichen, komplexe politische Entscheidungen auf ein solides Fundament zu stellen.

Die CDU bot mir damals – und bietet mir bis heute – die Möglichkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Vernunft miteinander zu verbinden.

DFV: Sie sind Mutter von drei Kindern und verheiratet. Was bedeutet Familie für Sie?

Karin Prien: Familie ist für mich der Rückhalt, der alles trägt. Sie ist der Ort, an dem man Vertrauen, Geborgenheit und Liebe erfährt – aber auch Verantwortung übernimmt. Gerade als berufstätige Frau und Mutter weiß ich, wie wichtig es ist, dass Familien nicht nur emotional, sondern auch strukturell gestärkt werden. Ich habe selbst erlebt, wie anspruchsvoll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein kann – und diese Erfahrung motiviert mich täglich, Politik so zu gestalten, dass Familien in all ihren Formen unterstützt werden.

Bei mir zu Hause wird übrigens immer noch gern mal leidenschaftlich über Politik diskutiert – mit meinen drei Söhnen, die oft nicht meiner Meinung sind.

DFV: Mit dem Regierungswechsel hat das ohnehin schon weitgefächerte Familienministerium einen weiteren Bereich hinzu bekommen. Wie wird dem Bereich „Familie“ trotzdem gerecht?

Karin Prien: Das Familienministerium ist heute ein echtes Gesellschaftsministerium – und das ist gut so. Bildung, Jugend, soziale Teilhabe, Gleichstellung und eben auch Familie gehören über die Generationen hinweg untrennbar zusammen.

Der neue Zuschnitt bedeutet natürlich eine noch größere Verantwortung. Aber gerade deshalb ist es mir wichtig, dass wir den Familienpolitikbereich nicht als einzelnes Ressort betrachten, sondern als Querschnittsaufgabe über alle Felder hinweg. Ob Kita-Ausbau, Ganztagsförderung, Elterngeld oder Pflege – wir denken Familie umfassend und realitätsnah. Das ist mir eine Herzensangelegenheit.

DFV: Was halten Sie von der familiengerechten Sozialversicherung, bei der die Anzahl der Kinder bei den Beiträgen in die gesetzliche Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtigt wird?

Karin Prien: Die Idee, Familien stärker in den Blick zu nehmen, finde ich richtig – gerade weil Eltern durch ihre Erziehungsarbeit einen unschätzbaren Beitrag für die Zukunft unserer Gesellschaft leisten. Bereits heute gibt es wichtige familienbezogene Elemente in der Sozialversicherung, etwa die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern in der Krankenversicherung oder die Anrechnung von Kindererziehungszeiten in der Rente.

Eine weitere Differenzierung nach Kinderzahl klingt auf den ersten Blick fair, würde aber in der praktischen Umsetzung große Herausforderungen mit sich bringen – nicht zuletzt bei der Finanzierbarkeit und der Gleichbehandlung aller Erwerbstätigen. Entscheidend ist für mich: Wir müssen Familien durch eine starke Infrastruktur und gezielte Leistungen unterstützen – damit sie ihre Verantwortung gut und gerne übernehmen können.

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