
Wolfgang Haupt, Mitglied des DFV-Präsidiums
(Berlin). In der aktuellen Debatte um die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wird verstärkt die Abschaffung der „beitragsfreien“ Mitversicherung von Ehepartnern gefordert. Der Deutsche Familienverband (DFV) warnt eindringlich vor diesem Schritt.
Eine solche Reform wäre eine massive Zusatzbelastung für Familien und Missachtung der Erziehungs- und Pflegeleistung im privaten Raum.
Der Mythos der „kostenlosen“ Mitversicherung
„Die Rede von der ‚kostenlosen‘ Mitversicherung ist ein politisches Märchen“, erklärt Wolfgang Haupt, Präsidiumsmitglied des Deutschen Familienverbandes. „Tatsächlich leisten Familien bereits heute einen überproportionalen Beitrag zur Stabilität des Sozialsystems. Die Mitversicherung ist kein Almosen, sondern ein notwendiger Korrekturfaktor im Familienlastenausgleich.“
- Vorleistung durch Kinder: In einem umlagefinanzierten System sind es die Eltern, die mit erheblichem zeitlichen und finanziellen Aufwand die zukünftigen Beitragszahler großziehen. Ohne diesen „generativen Beitrag“ der Familien würde die GKV langfristig kollabieren.
- Kein Nullsummenspiel: Die Mitversicherung gleicht lediglich den Umstand aus, dass das Familieneinkommen im Vergleich zu Single-Haushalten deutlich mehr Köpfe versorgen muss, während die Leistungsfähigkeit sinkt. Anders als im Steuerrecht kennt die Verbeitragung keinen Freibetrag. Das gesamte Familieneinkommen – ohne Berücksichtigung des Existenzminimums der Ehegatten und Kinder – wird als Grundlage für die Beitragsbemessung herangenommen.
Massive finanzielle Belastung für Haushalte
Die Abschaffung der Mitversicherung würde das verfügbare Einkommen von Familien unmittelbar schmälern. In vielen Fällen entscheiden sich Paare aufgrund von Betreuungsbedarfen (Kinder oder pflegebedürftige Angehörige) für ein Ein-Verdiener-Modell oder eine geringfügige Beschäftigung eines Partners. Eine eigene Versicherungspflicht für den Ehegatten, meistens sind es Mütter, würde pro Jahr vierstellige Euro-Beträge verschlingen.
Die Zahlen: Was Familien droht
Legt man die aktuellen Beitragssätze zugrunde, wird deutlich, wie tief der Einschnitt wäre. Wenn der mitversicherte Ehepartner einen eigenen Beitrag (orientiert an der Mindestbemessungsgrundlage) leisten müsste:
- Zusatzkosten: Bei einem durchschnittlichen GKV-Zusatzbeitrag von 2,9 % und dem ermäßigten Beitragssatz von 14 % beläuft sich der Mindestbeitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung auf ca. 267 Euro bis 275 Euro pro Monat. In der aktuellen politischen Debatte wird ein Mindestbetrag von 225 Euro genannt.
- Jährliche Belastung: Für eine Familie bedeutet dies eine Netto-Einbuße von mindestens 2.700 Euro im Jahr.
Wolfgang Haupt erklärt dazu:
„Eine Abschaffung der Mitversicherung wäre eine massive Beitragserhöhung für Millionen von Familien. Wer Familien in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten zusätzlich mit mehreren tausend Euro im Jahr belastet, gefährdet den sozialen Zusammenhalt und bestraft die Entscheidung für eine Familie.“
Diese Mehrbelastung ist für Familien nicht tragbar und gefährdet die finanzielle Stabilität der Mitte der Gesellschaft. Der Deutsche Familienverband (DFV) fordert die Politik auf, Familien als Leistungsträger des Sozialsystems anzuerkennen und die Debatte um die Streichung der Mitversicherung zu beenden.
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