Wie sinnvoll ist eine Reform des Ehegattensplittings – und was bedeutet sie für Familien? Zu diesen Fragen hat „report München“ den Deutschen Familienverband (DFV) befragt. DFV-Bundesgeschäftsführer Sebastian Heimann hat die Pläne von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil im ARD-Magazin eingeordnet.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will das Ehegattensplitting in seiner heutigen Form für künftige Ehen abschaffen. Zur Begründung verweist er unter anderem auf mögliche Fehlanreize für die Erwerbstätigkeit von Frauen. Der DFV sieht die Pläne kritisch.

„Ich bin ehrlich gesagt sprachlos, dass das ein deutscher Finanzminister so äußert. Das ist eine massive Steuererhöhung für Millionen von Ehen und Familien“, sagt Heimann im Beitrag von „report München“ mit Blick auf die Bezeichnung des Ehegattensplittings als „steuerlichen Fehlanreiz“. Heimann warnt davor, dass eine Abschaffung des Ehegattensplittings Familien und Ehepaare erheblich zusätzlich belasten könnte.

Wenn ein Einkommen wegen familiärer Verantwortung sinkt

Wie unterschiedlich die Gründe für eine ungleiche Verteilung der Einkommen innerhalb einer Ehe sein können, zeigt die Geschichte von Yvonne und Andreas Lissel, die „report München“ für den Beitrag begleitet hat.

Andreas Lissel ist vor sieben Jahren an Alzheimer erkrankt und inzwischen auf die Pflege seiner Frau angewiesen. Yvonne Lissel hat deshalb ihre Erwerbstätigkeit reduziert. Sie berichtet im Beitrag, dass sie heute nahezu vollständig für ihren Mann da ist. Das Beispiel zeigt: Krankheit und Pflege können ganz konkret dazu führen, dass ein Ehepartner seine Erwerbstätigkeit reduziert.

Aus Sicht des DFV müssen solche unterschiedlichen Lebenssituationen bei der Debatte über das Ehegattensplitting berücksichtigt werden. Nicht jede Reduzierung der Erwerbstätigkeit ist eine Frage steuerlicher Anreize. Familien übernehmen füreinander Verantwortung – etwa bei der Betreuung von Kindern oder der Pflege Angehöriger. Weitere Fakten und Hintergründe bietet die DFV-Fachinformation „Ehegattensplitting – Ein Faktencheck“.

Mehr Erwerbsarbeit durch weniger Ehegattensplitting?

Bundesfinanzminister Klingbeil verbindet eine Reform des Ehegattensplittings mit dem Ziel, mehr Frauen in Beschäftigung zu bringen. Im Beitrag von „report München“ kommen Stimmen zu Wort, die hinterfragen, ob sich dieses Ziel tatsächlich auf diesem Weg erreichen lässt. Klingbeil selbst spricht von der möglichen Besetzung von „zehntausenden Vollzeitstellen“.

Aus Sicht des DFV greift es zu kurz, die Erwerbsentscheidung von Frauen auf steuerliche Anreize zu reduzieren. Ob und in welchem Umfang Eltern oder pflegende Angehörige erwerbstätig sein können, hängt von ihrer konkreten familiären und beruflichen Situation ab.

Familienpolitik sollte unterschiedliche Lebenssituationen und familiäre Verantwortung berücksichtigen. Eine Reform des Steuerrechts darf aus Sicht des DFV nicht dazu führen, dass Familien, die füreinander Verantwortung übernehmen, dadurch zusätzlich belastet werden.

Zum Beitrag von „report München“ in der ARD-Mediathek

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