
Die geplante Reform der gesetzlichen Krankenversicherung könnte Familien spürbar stärker belasten. Der Deutsche Familienverband (DFV) kritisiert vor allem den vorgesehenen Beitragszuschlag für bislang familienversicherte Ehegatten und warnt vor Mehrkosten von mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Der DFV sieht darin eine erhebliche zusätzliche Belastung für Familien. Für einen Alleinverdienerhaushalt mit zwei Kindern und durchschnittlichem Einkommen kann das über 1.000 Euro mehr pro Jahr bedeuten. Aus Sicht des Verbandes trifft die Reform damit vor allem Familien, die ohnehin schon unter finanziellen Druck stehen.
Was konkret geplant ist
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Ehegatten künftig nicht mehr grundsätzlich beitragsfrei mitversichert sind. Stattdessen soll ein zusätzlicher Beitragszuschlag erhoben werden, den das versicherte Mitglied allein trägt, ohne Beteiligung des Arbeitgebers.
Zwar sind einige Gruppen ausgenommen, etwa Eltern kleiner Kinder oder pflegende Angehörige. Nach Ansicht des DFV bleibt dennoch eine große Zahl typischer Familien betroffen, insbesondere Haushalte mit einem Einkommen.
Warum der DFV Kritik übt
Aus Sicht des Verbandes greift die Regelung zu kurz und belastet Familien doppelt: Schon heute zahlen Versicherte Beiträge auf ihr gesamtes Einkommen – also auch auf den Teil, der für den Lebensunterhalt von Ehepartnern und Kindern verwendet wird. Ein zusätzlicher Zuschlag würde diese Belastung weiter erhöhen. Der DFV spricht deshalb von einer doppelten Heranziehung von Familien.
Besonders kritisch sieht der DFV, dass vor allem Familien mit mehreren Kindern betroffen sein könnten. Gerade sie tragen in besonderem Maße zur gesellschaftlichen und demografischen Entwicklung bei und würden durch die Reform zusätzlich unter Druck geraten. Damit trifft die Neuregelung aus Sicht des Verbandes genau diejenigen, die für die Zukunft des Systems besonders wichtig sind.
Mehr als nur eine Einzelmaßnahme
Für den DFV geht es nicht nur um eine einzelne Regelung, sondern um eine grundsätzliche Weichenstellung: Die geplanten Änderungen könnten das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung verschieben, zulasten von Familien. Der Verband warnt deshalb vor einem familienpolitischen Kurswechsel.
Zugleich bemängelt der Verband, dass zentrale Fragen offen bleiben, etwa wie viele Familien tatsächlich betroffen sein werden. Die Angaben im Gesetzentwurf schwanken hier deutlich. Das erschwert aus Sicht des DFV eine verlässliche Bewertung der Folgen.
Forderung des DFV
Der Deutsche Familienverband fordert, auf die geplanten Einschränkungen der Familienversicherung zu verzichten. Stattdessen muss die Reform stärker an den Bedürfnissen von Familien ausgerichtet werden. Dazu gehört auch eine umfassende Prüfung der Auswirkungen auf Familien und die demografische Entwicklung. Familien dürfen bei einer Reform dieser Größenordnung nicht weiter belastet, sondern müssten gezielt gestärkt werden.
Die vollständige Stellungnahme des DFV mit allen Details und Berechnungen finden Sie hier: https://www.deutscher-familienverband.de/wp-content/uploads/2026/06/260610_Stellungnahme_GKV_PDF.pdf
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