
Franziska Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen
(Berlin). Der Deutsche Familienverband (DFV) weist die jüngst im Rahmen einer ifo-Studie (im Auftrag der INSM) laut gewordenen Forderungen nach einer radikalen Absenkung der Einkommensgrenze beim Elterngeld auf 50.000 Euro entschieden zurück.
DFV-Vizepräsidentin Franziska Schmidt warnt vor den massiven Konsequenzen dieses familienpolitischen Rückschritts für die Gleichstellung und wirtschaftliche Stabilität junger Familien.
„Die Modellrechnungen der ifo-Studie offenbaren ein rein planwirtschaftliches Sparinteresse, das die Lebensrealität junger Eltern vollkommen ignoriert“, kritisiert Schmidt, Juristin und selbst Mutter zweier Kinder. „Das Elterngeld ist eine zentrale Säule für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie für eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit. Wer hier den Rotstift ansetzt und den Kreis der Anspruchsberechtigten drastisch beschneidet, gefährdet den sozialen Zusammenhalt und setzt ein fatales Signal in Zeiten ohnehin sinkender Geburtenraten.“
Zahlen & Fakten: Der eigentliche Skandal beim Elterngeld
Die ifo-Studie beziffert die Gesamtausgaben für das Elterngeld im Jahr 2025 auf 7,41 Milliarden Euro. Doch anstatt die Leistung kaputtzusparen, legt der DFV den Finger in die Wunde einer jahrzehntelangen Entwertung des Elterngeldes:
- Kaufkraftverlust im unteren Segment: Seit der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 – und sogar seit der Einführung des alten Erziehungsgeldes im Jahr 1986 (damals 600 DM) – ist der Mindestbetrag von 300 Euro nie angehoben worden.
- Abgehängt vom Existenzminimum: Kaufkraftbereinigt ist der Sockelbetrag heute nur noch rund die Hälfte wert und liegt mit 300 Euro drastisch unter dem aktuellen Bürgergeld-Regelsatz für Alleinstehende (563 Euro). Einkommensschwache Familien werden beim Elterngeld seit 40 Jahren unsichtbar gemacht.
Geburtenstreik bei Akademikern vorprogrammiert
Besonders alarmiert zeigt sich der Familienverband über die demografischen Folgen einer deutlichen Reduzierung der Einkommensgrenze des Elterngeldes für mittlere und höhere Einkommen.
„Das Elterngeld wurde dafür geschaffen, die hohen Opportunitätskosten des Einkommensausfalls nach der Geburt abzufedern“, so Schmidt. „Ein faktischer Ausschluss durch niedrige Einkommensgrenzen hält vor allem Akademiker-Paare und gut verdienende Partner vom Abenteuer Familie ab. Wenn gut ausgebildete Frauen und Männer aufgrund finanzieller Einschnitte gezwungen sind, zwischen Karriere und Kind zu wählen, werden sie sich im Zweifel gegen das Kind entscheiden. Eine Politik, die gut verdienende Paare systematisch vom Kinderkriegen abschreckt, verschärft den ohnehin eklatanten Mangel an hochqualifizierten Fachkräften von morgen massiv.“
Die Kernforderungen des DFV zur Elterngeld-Reform
Um das Elterngeld wieder zu einem wirksamen, modernen Steuerungsinstrument zu machen, fordert der Deutsche Familienverband eine strukturelle Aufwertung statt eines Kahlschlags:
- Verdoppelung des Mindestbetrages: Der Sockelbetrag des Basiselterngeldes muss unverzüglich von 300 Euro auf mindestens 600 Euro angehoben werden, um den inflationsbedingten Kaufkraftverlust der letzten Jahrzehnte auszugleichen.
- Anhebung des Höchstbetrages: Der maximale Auszahlungsbetrag muss von derzeit 1.800 Euro auf mindestens 2.300 Euro erhöht werden. Nur so bleibt das Elterngeld eine verlässliche Lohnersatzleistung, die insbesondere auch Väter dazu motiviert, länger in Elternzeit zu gehen.
- Dynamisierung und Wahlfreiheit: Das Elterngeld muss dauerhaft an die allgemeine Lohn- und Inflationsentwicklung gekoppelt werden. Zudem müssen bürokratische Hürden fallen, um den Eltern echtes Wunsch- und Wahlrecht bei der Aufteilung der Monate einzuräumen.
„Familien sind das Fundament unseres Staates, aber sie werden finanziell seit Jahren abgehängt“, so Schmidt. „Wir brauchen keine Kürzungsdebatten, die junge Paare verunsichern, sondern Investitionen in die Zukunft. Wer bei den Kleinsten und ihren Eltern spart, verspielt die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.“
Weitere Informationen zu den detaillierten familienpolitischen Forderungen finden Sie auf der Website des Deutschen Familienverbandes unter: www.deutscher-familienverband.de
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