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Was Familienarbeit und Ehrenamt wert sind

Mutter und Kind essen BlueOrange StudioIm Alltag denkt man kaum darüber nach: Es muss erledigt werden und Punkt. Wäsche waschen, einkaufen, putzen, kochen, die Kinder bringen und holen, sie betreuen und ihnen bei den Hausaufgaben helfen, die Großeltern unterstützen oder pflegen – das alles erledigen wir Tag für Tag und wohlgemerkt meistens NEBEN dem Beruf. Dazu kümmern wir uns vielleicht noch um den gebrechlichen Nachbarn oder engagieren uns ehrenamtlich. Rund vier Stunden dieser unentgeltlichen Arbeit leisten Frauen täglich, bei Männern sind es 2,5 Stunden am Tag. Das hat eine Befragung von 5000 Haushalten in den Jahren 2012/2013 ergeben, wie das Statistische Bundesamt berichtet.

Während wir diese unentgeltliche Arbeit leisten, tun wir aber noch viel mehr: Wir gehen in Kontakt und pflegen unsere familiären und nachbarschaftlichen Beziehungen. Wir versorgen unsere Familien nicht einfach nur, sondern tun ihnen zum Beispiel mit einer selbst zubereiteten Mahlzeit zusätzlich Gutes. Wie soll eine solche menschliche Beziehung in Zahlen ausgedrückt werden? Was sind Familienarbeit und Ehrenamt also finanziell wert?

Unverzichtbar und nicht anerkannt

Einkauf LVDesignObwohl die von privaten Haushalten geleistete „unentgeltliche Arbeit sowohl für das gesellschaftliche und individuelle Wohlbefinden als auch für die materielle Versorgung mit Waren und Dienstleistungen unverzichtbar“ ist, sind diese Leistungen nicht Bestandteil der regelmäßigen Wirtschaftsberichterstattung. So schreiben die Autoren Norbert Schwarz und Florian Schwahn in ihrem Artikel „Entwicklung der unbezahlten Arbeit privater Haushalte. Bewertung und Vergleich mit gesamtwirtschaftlichen Größen“, der im Wissenschaftsmagazin des Statistischen Bundesamtes (2/2016) erschienen ist. Zwar seien Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe oder die Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen oft überhaupt erst eine Voraussetzung für bezahlte Erwerbsarbeit – doch in das Bruttoinlandsprodukt flössen Tätigkeiten wie diese nicht ein.

Weil die unbezahlte Arbeit in der regelmäßigen Wirtschaftsberichterstattung nicht enthalten ist, berechnet das Statistische Bundesamt seit 1991/92 den Wert unbezahlter Tätigkeit als Modell. Drei Zeitbudgeterhebungen wurden bisher durchgeführt. Nach 2001/2001 wurden nun  die Ergebnisse der Erhebung von 2012/13 veröffentlicht. Fazit: „Selbst bei einer vergleichsweise vorsichtigen Bewertung beträgt der Wert der unbezahlten Arbeit etwa ein Drittel der im Bruttoinlandsprodukt ausgewiesenen Bruttowertschöpfung.“

Die Modellrechnung

Für die statistische Betrachtung müssen persönliche Tätigkeiten und Freizeitaktivitäten von der unbezahlten Arbeit abgrenzbar sein. Deshalb gehen die Statistiker bei ihren Berechnungen von Tätigkeiten aus, die auch von einer dritten Person in bezahlter Erwerbstätigkeit übernommen werden könnten (zum Beispiel Kinderbetreuung, Haushalt, Einkauf…). Das so genannte Dritt-Personen-Kriterium soll verhindern, dass sich Privatleben und unbezahlte Arbeit in der Berechnung vermischen. Nicht einbezogen werden können unter diesem Aspekt zum Beispiel die für die Beziehungsarbeit in der Familie aufgewendete Zeit oder Bildungsaktivitäten. Und auch bei der Kinderbetreuung geht die Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft nicht mit in die Statistik ein.

Geldturm Sven HoppeFür ihre Modellrechnung gehen die Statistiker davon aus, dass eine Hauswirtschafterin/ein Hauswirtschafter mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von 9,25 Euro (ohne bezahlte Ausfallzeit) die Tätigkeiten erledigt. Rechnerisch ergibt sich daraus ein Wert von 826 Milliarden Euro für die unentgeltlich geleistete Arbeit (2013). Die Nettolöhne und –gehälter aller Arbeitnehmer dagegen liegen mit 780 Milliarden Euro deutlich darunter, heißt es im Bericht des Statistischen Bundesamtes. Im Vergleich zu 1992 (603 Milliarden Euro) stieg der Wert der unentgeltlich geleisteten Arbeit um 37 Prozent. Die Nettoeinkommen- und gehälter aller Arbeitnehmer erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 49 Prozent (524 Milliarden Euro).

Tendenz: sinkend!

Insgesamt ist die im Jahr geleistete unbezahlte Arbeit allerdings in ihrem Umfang gesunken. Obwohl die einbezogene Bevölkerung von 70 Millionen (1992) auf 72,3 Millionen (2013) gestiegen ist, ging die jährliche Zeit für unbezahlte Arbeit um gute zwölf Prozent zurück. Allerdings wird noch immer deutlich mehr Zeit (35 Prozent!) für unbezahlte Arbeit und dazu gehörige Wegzeiten (2013: 89 Milliarden Stunden) aufgewendet als für bezahlte Arbeit (66 Milliarden Stunden).

Vor allem mit Blick auf die Frauen hat sich viel verändert: Die Dauer ihrer unentgeltlichen Tätigkeit ist laut Bundesamt für Statistik in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesunken. 2012/13 lag sie mit vier Stunden täglich demnach rund 20 Prozent niedriger als 1991/92. Als Ursachen führen die Statistiker die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen an, die sinkenden Geburtenzahlen und die Bereitschaft, bestimmte Hausarbeiten (Kinderbetreuung, Haushaltshilfe) an Dienstleister auszulagern. Diese drei Gründe bedingen einander häufig. Bei den Männern ist diese Tendenz dagegen deutlich geringer nachweisbar. Sie leisteten 2012/13 nur sieben Prozent weniger unbezahlte Arbeit als 1991/92. 


Kommentar: Betreuungsbudget schafft Anerkennung 

Stresing„Der Anteil unbezahlter Arbeit schwindet. Nur noch 89 Milliarden Stunden“. So lautet die Nachricht für eine arbeitsmarktorientierte Familienpolitik. Haushaltsnahe Dienstleistungen sollen von der ungeliebten Hausarbeit entlasten nach dem Motto: „Putzt du meine Wohnung, putz ich deine Wohnung – jeweils gegen Entgelt“.

Für unser aller Wohlbefinden unverzichtbare Arbeit wird nicht bezahlt und bei der Wertschöpfung nicht berücksichtigt. Selbst bei vorsichtiger Schätzung, einem Stundenlohn von 9,25 Euro, hat diese Arbeit einen Wert von 826 Milliarden Euro, deutlich mehr als die Nettolöhne und Gehälter aller Arbeitnehmer mit 780 Milliarden. So betrachtet es der DFV. „Ach, du arbeitest nicht“ wird dann in seiner Absurdität deutlich.

Warum ist die Erziehung, Betreuung und Bildung eines Kindes nur dann „Wert-voll“, anerkennenswert und förderungsfähig, wenn sie nicht durch Mutter und/oder Vater erbracht wird? Um nicht missverstanden zu werden: Der DFV tritt nicht für ein – wie auch immer geartetes – „Erziehungsgehalt“ ein. Doch das von uns geforderte „Betreuungsbudget“ würde gleichwertige Arbeit auch als solche anerkennen.

Siegfried Stresing ist Vizepräsident des Deutschen Familienverbandes

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