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Wir kriegen das schon hin!

FamilienfotoSie haben sich bewusst für ein Kind entschieden: Kurt und Anne sind vor neun Monaten Eltern geworden. Die kleine Mieke krabbelt inzwischen durch die Wohnung, sie ist ein offenes, neugieriges und sehr süßes Kind. Wie lebt es sich 2015 als junge Familie und was bedeutet ein Leben mit Baby heute für die Eltern? Wie kompliziert ist es, das Privatleben mit dem Beruf zu koordinieren? Wir haben die drei besucht und nachgefragt. In unserem Gespräch soll es vor allem darum gehen, wie junge Väter heute Familie und Beruf unter einen Hut bekommen und wie weit Wunsch und Realität auseinander gehen.

Kurt, Anne und Mieke wohnen in Berlin Mitte – nicht in der hippen Ecke, sondern dort, wo der Bezirk an Pankow und Reinickendorf grenzt. Gartenkolonien und eine Sportanlage prägen die Umgebung auf eine ganz eigene Weise. In ihrer hellen Wohnung im vierten Stock gibt es zweieinhalb Zimmer, Miekes Spielbereich ist Teil des Wohnzimmers. Während wir miteinander reden, „sortiert“ Mieke das Bücherregal. Sie ist vergnügt und ebenso entspannt wie ihre Eltern.

Gewollt und nicht geplant

Sie sind seit vier Jahren ein Paar, als sich Anne und Kurt ein Leben mit Kind vorstellen können. Sie wollen ihren Wunsch nicht auf die lange Bank schieben - ob und wann es mit einem Baby klappt, sei ohnehin nicht planbar. Sie müssen schließlich nicht lange warten – doch während Annes Schwangerschaft läuft ihr befristeter Job als Diätassistentin aus. Einen neuen Vertrag bekommt sie Vater tochter1erwartungsgemäß nicht. „Es passt nie hundertprozentig, ein kleiner Verlust ist immer da“, kommentiert die 28-Jährige das heute. „Wir dachten, wir kriegen das schon hin!“ Kurt hat eine halbe Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter und ist Biologe. Als Mieke geboren wird, nimmt er zwei Monate Elterngeld in Anspruch. Für seinen Arbeitgeber ändert sich nichts, denn der 30-Jährige arbeitet wie gewohnt 20 Wochenstunden weiter.

Anne und Kurt wirken gelassen und fokussiert zugleich. Sie wissen, dass man nichts erzwingen kann und sind bereit, in ihrem Leben Umwege in Kauf zu nehmen. Ihre offensichtliche Bereitschaft, sich auf das Kommende einzulassen, beeindruckt. Finanziell können sie keine großen Sprünge machen. Das gemeinsame Einkommen der kleinen Familie liegt im Moment bei ungefähr 2.000 Euro monatlich. Mit eingerechnet ist Annes Elterngeld von rund 600 Euro. „Viel bleibt davon nicht übrig“, erzählt Kurt. „Damit muss man sich einfach arrangieren.“

Die beiden haben kein Problem, sich ein bisschen einzuschränken. Denn der Vorteil seiner halben Stelle ist für Kurt eindeutig die Zeit, die er mit seinen beiden Liebsten verbringen kann. Und auch Anne schätzt das als „Luxus“. Vor ein paar Monaten war die Situation anders: Kurt arbeitete an seiner Promotion. Nach der Arbeit ging es über zwei Jahre täglich ins Labor oder an den Schreibtisch, auch an den Wochenenden. Jetzt ist die Arbeit geschafft und er kann die Nachmittage mit seiner Tochter verbringen und Anne unterstützen.    

Familie und Arbeitsplatz

Wie reagierte der Arbeitgeber, als Kurts Tochter geboren wurde? „Es gab kein Problem, die Elterngeldmonate zu beantragen und zu bekommen“, sagt er. Das Institut ist schließlich mit dem Grundzertifikat des Audits berufundfamilie ausgezeichnet: Flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle, Telearbeit und Ähnliches gehören zum Standard.

Natürlich gibt es Zeiten, in denen so viel zu tun ist, dass die 20 Stunden in der Woche dafür nicht ausreichen. Kurt findet das in Ordnung und arbeitet dann mehr. Seine Arbeit macht ihm Spaß und das möchte er seinem Arbeitgeber auch zeigen. Allerdings machen die befristeten Arbeitsverträge dem jungen Familienvater zu schaffen. Zu groß ist jedes Mal die Unsicherheit, wie und ob es weitergeht. Seit dreieinhalb Jahren hat er befristete Arbeitsverträge. Jahr um Jahr wurden sie bisher verlängert. Zum ersten Mal ist nun allerdings offen, ob es auch im April 2015 weitergeht für ihn. Perspektivisch hofft Kurt auf eine wenigstens zwei- bis dreijährige Befristung. Ein unbefristeter Arbeitsvertrag „wäre der Jackpot“ für ihn.

MiekeEin Leben mit Kind

Wie hat Mieke das Leben der beiden Partner sonst verändert? „Es dreht sich natürlich alles um sie. Sie ist die Nummer eins“, erzählt Anne. „Das gehört dazu.“ Mutter und Tochter gehen zum Babyschwimmen und zur Gymnastik. Doch bei den üblichen Diskussionen, in denen sich alles um Babys und  die Mutter-Kind-Welt dreht, hält sich Anne zurück. „Ich bin nicht so auf Babygespräch“, sagt sie lachend. Auch in ihrem Familienleben wollen beide sich nicht nur nach der Kleinen richten. „Als Mieke drei Monate alt war, sind wir mit ihr in einem ausgebauten VW-Transporter ans Nordkap gefahren. Das war ein Traum! Wir haben überlegt, was die Kleine brauchen könnte“ erinnert sich Kurt. „Gerade am Anfang gab es einfach nur eine Antwort: Uns!“

Und wie soll die Zukunft aussehen? Feste Pläne gibt es nicht. Mieke in eine Kita zu geben, kommt im Moment nicht in Frage. Gerade die erste Zeit mit ihr wollen Anne und Kurt gemeinsam zu Hause genießen. Offen ist ohnehin, ob und wann Anne eine Stelle findet und dann auch eine Betreuung für Mieke braucht. Um einen Kitaplatz gekümmert hat sie sich jedenfalls noch nicht. Und die weitere Familienplanung? Ein Geschwisterchen für Mieke ist noch kein Thema, beide können sich aber vorstellen, die Familie irgendwann zu vergrößern. „Doch was, wenn Anne einen tollen Job findet und ein zweites Kind gerade nicht reinpasst?“ Kurt schiebt den Gedanken erstmal beiseite. Beide wollen auch in dieser Hinsicht flexibel sein und schauen, was die Zukunft bringt.

Familienleben in Deutschland

Dass Väter sich heute intensiver um ihre Kinder kümmern, finden Anne und Kurt gut. Während früher die Männer die Familie ernährt haben und die Frauen sich um Kinder und Haushalt kümmerten, sei das Gefüge heute fließender. „Man kann als Mann auch zu Hause bleiben und ist trotzdem angesehen“, sagt Kurt. „Es ist vielleicht nicht leichter oder schwieriger als früher, sondern vor allem anders. Ich finde es ganz schön, dass jeder das machen kann, wie er es möchte.“

vater tochter hochWie schätzen die beiden die Situation von Familien in Deutschland ein? Grundsätzlich sehen die beiden vor allem das Positive. „Wir haben ein gutes Sozialgefüge im Land, mit den Kitas und den Unterstützungen, die Familien bekommen“, sagt Kurt. „Für uns persönlich ist die Situation noch komfortabel, so lange Anne Elterngeld für Mieke bezieht. Fällt das weg, wird es allerdings eng. Geld ist zwar nicht das Wichtigste, aber es ist schön, wenn man sich keine Sorgen machen muss.“ Anne findet die Situation für Familien hierzulande relativ gut – gerade mit Blick auf andere Staaten. Wünschen würde sie sich mehr firmeneigene Kitas, damit Familien zeitraubende Wege erspart werden.

Die Bezugszeit des Elterngeldes finden beide zu kurz. Ihre Tochter mit einem Jahr fremdbetreuen zu lassen, kommt ihnen nicht in den Sinn. Mindestens 18 Monate sollte die Kleine schon sein. „Würde es zwei Jahre Elterngeld geben, könnte man zum Beispiel in Ruhe das Kind eingewöhnen und gleichzeitig Bewerbungen schreiben“, ergänzt Kurt.

Was den beiden wirklich fehlt, politisch aber nicht zu lösen ist, sind Großeltern am Ort. Mieke hin und wieder mal bei ihnen abgeben zu können, wäre toll – auch für die Zweisamkeit der Eltern. Doch das geht eben nicht. Aber für den Fall, dass Mieke vielleicht eines Tages Urlaub bei Oma und Opa macht, haben beide genug Pläne: Sie lieben es zu reisen. Während Großeltern und Enkelin sich miteinander vergnügen würden, könnten Anne und Kurt gemeinsam Neues entdecken.

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